Chianas Art

Ein kleines Mädchen wartet allein in einem großen, finsteren Wald darauf, dass seine Oma es findet und abholt. Nun, nicht ganz allein: An ihrer Seite ist eine große, schwarze Kreatur, die zwar eine menschliche Gestalt hat, aber Hörner und einen wie ein Totenschädel geformten Kopf. Shiva, so heißt das kleine Mädchen, nennt ihn "Doktor", und sie weiß nur eins über ihn: Sie darf ihn unter keinen Umständen berühren, denn sonst wird sie für immer verflucht ...

 

Es gibt nicht viele Manga, die es schaffen, einen nachhaltigen Eindruck bei mir zu hinterlassen. »Siúil, a Rún: Das fremde Mädchen« hat nicht nur das geschafft, sondern sich auch noch einen festen Platz in meinen persönlichen Manga-Top-10 gesichert. Denn soviel kann ich schon vorweg nehmen: Es handelt sich auf keinen Fall um einen gewöhnlichen Manga!

 

 

Der Titel

 

»Siúil, a Rún« - das klingt erst einmal sehr seltsam und mysteriös. Der Titel, der übrigens "schuul-a-ruun" [ʃuːlaɹuːn] ausgesprochen wird, stammt aus einem irischen Volkslied und lässt sich übersetzen mit "Geh, meine Liebe". Im Original lautet der vollständige Titel »Siúil, a Rún - とつくにの少女« [Totsukuni no Shoujo], was wörtlich übersetzt "Das Mädchen aus dem Fremden Land" bedeutet. 

Auf dem deutschen Manga-Markt sind Titel, die man nicht direkt versteht (und die nicht Deutsch, Englisch oder Japanisch sind), eine echte Rarität, daher hatte der Manga direkt meine Aufmerksamkeit. 

 

Dazu hat auch das Cover einen großen Teil beigetragen: Es ist relativ düster mit wenigen, ungesättigten Farben und blassgoldenen Verzierungen. Durch das matte Finish der Oberfläche und dem größeren Format mit einer Klappenbroschur wirkt der Manga wirklich hochwertig und ist auf jeden Fall sehr 'instagrammable' ...

 

Siuil a Run Titel 

 

Die Zeichnungen

 

Der Zeichenstil von »Siúil, a Rún« ist nicht unbedingt Manga-typisch und verzichtet darauf, Charaktere besonders schön oder ordentlich darzustellen. Als Standard-MangaleserIn ist das vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, aber da der Stil sehr gut zu dem märchenhaften der Geschichte passt, gewöhnt man sich schnell daran. Nagabe arbeitet viel mit Schraffuren und Schwarzflächen, Raster hingegen kommen nur sehr sparsam zum Einsatz. Sein Stil ist locker, gleichzeitig aber auch detailliert und schafft es in Kombination mit der klaren Panelstruktur sehr gut, die Stimmungen der Geschichte zu transportieren. 

 

 

Die Story 

 

 

 

In der Welt von »Siúil, a Rún« gibt es zwei Gebiete: Im Inneren Land leben die Menschen, und das Fremde Land, das bewohnt ist von unheimlichen schwarzen Gestalten. Diese tragen einen Fluch mit sich, und wer immer sie berührt, verwandelt sich ebenfalls in einen Fremden.  

 

Es waren einmal ein weißer und ein schwarzer Gott. Der weiße Gott brachte den Menschen Freude. Doch der schwarze Gott stahl sie ihnen wieder und trieb Schabernack. Als er nicht mehr weiter wusste, erzürnte der weiße Gott und wollte den schwarzen Gott dafür büßen lassen. Daher entschloss er sich, ihm eine Strafe aufzuerlegen. Dem schwarzen Gott wurde alles genommen und er wurde in eine grässliche Gestalt verwandelt. Der schwarze Gott raste vor Wut und belegte alle mit einem Fluch. In höchster Not vertrieb der weiße Gott den schwarzen und .. erschuf eine hohe Mauer, damit niemand dem Fluch zum Opfer fallen würde. Irgendwann bekam der schwarze Gott den Namen "der Fremde" .. und der weiße Gott "der Innere". So .. entstanden zwei Länder. 

 

Wenn ihr selbst einmal in die Story reinlesen und euch ein Bild von Nagabes Zeichenstil machen wollt, könnt ihr hier eine Leseprobe finden.

 

Siuil a Run Baende

 

Das Fazit

 

»Siúil, a Rún: Das fremde Mädchen« schafft es mit seinem märchenhaften Setting und außergewöhnlichen Zeichnungen eine sehr liebevolle und spannende Geschichte zu erzählen, die nicht nur für Manga-Fans einen Blick wert ist.

Empfehlen würde ich »Siúil, a Rún« auch gerade denjenigen, die bisher noch nicht so viele Berührungspunkte mit Manga hatten oder mit den klassischen Highschool- oder Abenteuertiteln nicht so viel anfangen können. Denn »Siúil, a Rún« zeigt sehr gut, wie bunt und vielfältig das Manga-Genre ist und dass Manga nicht nur 'hübsche Mädchen mit großen Augen' bedeutet.

 

»Siúil, a Rún: Das fremde Mädchen« von Nagabe erscheint seit 2017 im TOKYOPOP Verlag.
In Japan sind bisher fünf Bände veröffentlicht worden, in Deutschland erscheint als nächstes Band 4 am 12. Juli 2018. 

 

Abschließend könnt ihr hier noch ein Fanart sehen, das ich zu dem Manga gezeichnet habe. Ich finde die Beziehung zwischen Shiva und dem Doktor so schön, dass ich die beiden unbedingt selbst einmal zeichnen wollte, und habe mir dafür die Blumen, die das kleine Mädchen an einer Stelle sammelt, als Motiv gewählt. Dabei habe ich versucht, mich etwas an Nagabes Schraffurtechnik zu orientieren - und auch, wenn sein Stil sehr viel lockerer ist als meiner, hat es echt Spaß gemacht, auf diese Weise zu arbeiten!

 

 

Siuil a Run Fanart

 

Habt ihr »Siúil, a Rún: Das fremde Mädchen« bereits gelesen oder kennt ihr eines der anderen Werke von Nagabe? Und wenn nicht, würdet ihr den Manga gern lesen wollen?
Schreibt mir doch eure Meinung in die Kommentare! :) 

 

 



Kommentare

Jutta
# Jutta 2018-04-14 20:07
Ja, ich würde ihn gerne lesen, das wäre mein erster Manga! Du hast mich richtig neugierig gemacht und deine Fotos und die Zeichung finde ich super, danke schön! :D
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