Chianas Art

Kennt ihr dieses Problem? Ihr hört einem furchtbar langweiligen (aber leider wichtigen) Vortrag zu, macht euch halbherzig Notizen – und wenn ihr wenige Tage später etwas nachschauen müsst, versteht ihr nur noch die Hälfte von dem, was ihr aufgeschrieben habt. Aber immerhin sind schöne Zeichnungen auf euren Mitschriften, weil ihr irgendwann keine Lust mehr hattet, mitzuschreiben …

Ups.

 

Wenn ihr euch in diesem Absatz wiedererkannt habt, dann geht es euch wie mir lange Zeit: Auf diesem Bild hier könnt ihr sehen, wie meine Schulhefte aussahen, und meine Aufzeichnungen für die Uni sahen ähnlich aus

Ich zeichnete meist, worauf ich Lust hatte, was in der Regel Manga-Figuren oder Tiere waren, und bekam dafür von meinen (wenig begeisterten) Lehrern Kommentare wie „Na, zeichnest du schon wieder deine Manga-Püppchen?“ (Grüße an meinen ehemaligen Latein-Lehrer!).

Notizen Schule Uni 

Obwohl mittlerweile nachgewiesen ist, dass es das Gehirn anregt, wenn man während des Zuhörens ein bisschen herumkritzelt, so muss ich doch zugeben, dass ich mich beim Zeichnen von komplizierteren Dingen oft nicht mehr wirklich auf das konzentrierte, was vorn gesagt wurde.

Doch gegen Ende meines Bachelor-Studiums schenkte mir meine Mutter ein Buch zu einer Technik, von der ich mir wünschte, sie schon viel früher gekannt zu haben: den Sketchnotes.


 

Was sind Sketchnotes?

 

Sketchnotes sind visuelle Notizen, die darauf verzichten, alles in Wortform niederzuschreiben, sondern stattdessen Inhalte durch kleine Zeichnungen festhalten, die eventuell durch kurze Stichworte ergänzt werden.

Das hat gleich mehrere Vorteile:

Sketchnotes Vorteile Illu 

  • Das menschliche Gehirn kann visuelle Informationen viel besser und schneller verarbeiten. Während Text erst gelesen werden muss, kann man ein Bild innerhalb eines Augenblickes erfassen.
  • Man ist gezwungen, das Gehörte in eigene 'Worte' (oder vielmehr: in eigene Bilder) zu fassen, zu verstehen und zu abstrahieren. Dadurch behält man Dinge sehr viel besser, als wenn man den Wortlaut von Anderen übernimmt.
  • Wenn man selbst etwas zu tun hat bleibt man wacher, aufmerksamer und kann Inhalten besser folgen.
  • Zeichnungen eignen sich oft besser um komplexe Zusammenhänge darzustellen und verschaffen einen klaren Überblick.
  • Zeichnen macht einfach viel mehr Spaß ;)

 

Um Sketchnotes zu machen, muss man auch gar nicht super geübt im Zeichnen sein – im Gegenteil, da es oft sehr schnell gehen muss, reichen Strichmännchen, Pfeile und Kästen, um das Wichtigste festzuhalten.


 

Wie mache ich Sketchnotes?

 

Um euch selbst einmal an Sketchnotes zu probieren, braucht ihr nicht viel mehr als für eure 'normalen' Notizen auch: Ein Blatt Papier und einen Stift. Ich benutze dafür gern einen Multiliner in 0.3 von Neopiko, den ich auch so zum Zeichnen verwende, es tut aber auch ein ganz normaler Kuli oder ein Fineliner. Für farbliche Akzente benutze ich außerdem gern meine Tombow Dual Brush Pens, aber auch hier gilt: Nehmt das, was ihr sowieso schon da habt, seien es Buntstifte oder Textmarker.

 

Meine Sketchnotes bestehen im Wesentlichen aus drei Elementen:

  • kleine Illustrationen
  • Schrift
  • graphische Elemente 

 

Sketchnotes Illustration1. Illustrationen

Kleine Bilder eignen sich sehr gut dazu, um Inhalte einfach und schnell zu Papier zu bringen. Da es meistens schnell gehen muss, eignen sich vereinfachte Darstellungen viel besser als ausgearbeitete Kunstwerke: Versucht also, euch auf die grundlegenden Formen zu konzentrieren, wenn ihr nicht viel Zeit habt.

Wenn ihr nicht genau wisst, was ihr visualisieren sollt, hilft ein genauer Blick auf die Sprache: Die ist nämlich zu einem großen Teil aus Metaphern aufgebaut, viele Worte lassen sich also einfach nehmen und bildlich darstellen. 

Sketchnotes Comic Sans

Ich selbst benutze in meinen Sketchnotes auch sehr gern kleine Figuren, die ich besonders wichtige Dinge erklären lasse oder mit deren Hilfe ich Zusammenhänge darstelle. Die sind wirklich schnell gezeichnet und lassen sich durch verschiedene Frisuren sehr gut individualisieren. Wenn ihr wie ich aus dem Manga-Bereich kommt, könnt ihr auch die Charaktere eurer Lieblingsreihe als stark vereinfachten Chibi zeichnen, dann macht alles gleich noch mehr Spaß! ;)

Sketchnotes Chibi Tutorial 


2. Schrift

Sketchnotes Text

Zunächst einmal habt ihr natürlich eure normale Handschrift, die ihr auch für Sketchnotes verwenden könnt. Um bestimmte Dinge hervorzuheben ist es jedoch manchmal sinnvoll, eure Schrift ein wenig zu verändern. Das könnt ihr auf drei verschiedene Arten machen, nämlich durch

 

a.: Die Schriftgröße
Je nachdem, wie groß oder klein ihr Worte oder Sätze schreibt, könnt ihr ihnen mehr oder weniger Bedeutung zuweisen: große Buchstaben eignen sich gut für Überschriften, mit kleineren Schriftgrößen könnt ihr Anmerkungen zu euren Zeichnungen hinzufügen.
Sketchnotes Schriftgroesse
b.: Die Schriftart
Um bestimmte Themen voneinander abzugrenzen oder einfach nur, um die Sketchnotes optisch interessanter zu gestalten: Verschiedene Schriftarten lassen sich super für Sketchnotes einsetzen. Dafür braucht ihr auch gar kein Profi im Handlettering sein: Oft reicht es bereits, einzelne Linien doppelt nachzufahren oder Buchstaben schmaler bzw. breiter zu schreiben, um die Schrift ausreichend zu verändern.

Sketchnotes Schriftart 01Sketchnotes Schriftart 02 

c.: Die Schriftauszeichnung

Genauso, wie ihr auch in einem Textdokument Worte fett oder kursiv schreiben könnt, lassen sich auch bei Sketchnotes diese Schriftauszeichnungen verwenden. Wenn ihr mit verschiedenen Stiften arbeitet, könnt ihr auch einzelne Worte mit einer anderen Farbe hervorheben.

Sketchnotes Schriftauszeichnung

Sketchnotes Comic Sans Schrift 

Sketchnotes Grafik3. Graphische Elemente

Um eure Sketchnotes übersichtlich zu halten, eigenen sich graphische Elemente sehr gut, um die Inhalte zu strukturieren und voneinander abzutrennen. So könnt ihr zum Beispiel besonders wichtige Dinge oder Überschriften in Kästchen schreiben und Pfeile helfen dabei, Zusammenhänge herzustellen. Außerdem eignen sich Linien oder andere Trenner dazu, bestimmte Themengebiete voneinander abzugrenzen. Für etwas mehr Variation könnt ihr die Linien auch gepunktet, gestrichelt oder gezackt zeichnen.

Auch Sprechblasen zählen zu den graphischen Elementen, die bei Sketchnotes nicht fehlen dürfen: Ich benutze sie z.B. gern in Kombination mit einer Figur, um einem Autor ein wichtiges Zitat zuzuordnen.

Sketchnotes Text Linguistik

 

Sketchnotes in der Praxis

Wenn ihr noch nie geskechnotet habt, würde ich euch raten, mit einem leichtenThema einzusteigen: Ihr könnt zum Beispiel das Rezept zu einem Kochvideo aufschreiben oder euch Notizen zu einer einfachen Doku machen. Videos haben den Vorteil, dass ihr sie pausieren könnt, wenn ihr nicht sofort wisst, wie ihr etwas verbildlichen sollt oder einen Moment über die Struktur nachdenken wollt. Probiert einfach etwas aus, was euch Spaß macht, und denkt daran, dass es beim Sketchnoten kein Richtig und kein Falsch gibt: Wichtig ist nur, dass ihr selbst etwas mit euren Notizen anfangen könnt! 

Sketchnotes Phantastik 

Ich selbst habe mit Sketchnotes bisher sehr positive Erfahrungen gemacht: Nicht nur bin ich in Seminaren und Vorträgen deutlich wacher und weniger abgelenkt, ich kann mir auch wesentlich mehr merken. Auch meine Motivation, mich nach der Veranstaltung noch einmal mit meinen Notizen zu beschäftigen, ist deutlich höher. Und selbst nach längerer Zeit kann ich mit meinen Sketchnotes wesentlich mehr anfangen als mit so manchen rein schriftlichen Notizen, die ich mir in Vorlesungen gemacht habe.

 

Sketchnotes eignen sich übrigens auch wunderbar, wenn ihr anderen etwas beibringen wollt: Die Studierenden in meinem Tutorium fanden es nicht nur hilfreich, bebilderte Erklärungen zu bekommen, sondern auch noch ziemlich witzig, wenn ich auf die Schnelle versuchte, irgendetwas halbwegs erkennbar an die Tafel zu zeichnen ;)  

 

Links und Buchtipps

Sketchnotes Buch

Wenn ihr jetzt noch mehr zum Thema Sketchnotes wissen möchtet, habe ich hier für euch eine kleine Liste mit Buch- und Websiteempfehlungen zusammeggestellt:

 

  • Sketchnote Love: Blog von Nadine Roßa, die auch das Buch geschrieben hat, das mich zu Sketchnotes gebracht hat: "Sketchnotes - Visuelle Notizen für alles"
  • SKETCHNOTING.net: Sehr informative und umfangreiche Website von Timo Strauß zum Thema Sketchnotes mit Tutorials, Materialtipps, Buchempfehlungen etc.
  • Pheminific: Blog von Ines Schaffranek, die ebenfalls ein Buch zum Thema mit dem Titel "Sketchnotes kann jeder" verfasst hat
  • Vizthink: Organisation von Meetups rund um das Thema Visuelles Denken

 

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